DATP in Berlin: Material des Deutschen Archivs für Theaterpädagogik in einer Ausstellung über die Theatermacherin Asja Lācis 

Foto aus der Ausstellung: Bügel eines Kopfhörers mit einem weißen Klebeband, auf dem "Lācis/ Hoffmann 1973" steht
Fotos: DATP

Das Deutsche Archiv für Theaterpädagogik (DATP) der Hochschule Osnabrück ist Teil der am 11. April eröffneten Ausstellung „Die Kunst ist kein Ziel für sich. In Beziehung mit der Konstruktivistin Asja Lācis“ im Kunstraum Kreuzberg. Im Mittelpunkt steht die Theaterarbeit der lettischen Theatermacherin Asja Lācis (1891‑1979), die 1918 eine besondere Theaterform, das „proletarische Kindertheater“ entwickelte und praktizierte – u.a. mit Straßen- und Waisenkindern im russischen Orjol.

Es ist das erste dokumentierte „proletarische Kindertheater“. Statt Kinder als bloße Zuschauende zu inszenieren, ließ sie die Kinder selbst improvisieren, gemeinsam entscheiden und so ihre eigenen Erlebnisse verarbeiten. Das Theater wurde damit zu einem Ort der Selbstermächtigung für Straßenkinder, Waisen und andere marginalisierte Jugendliche. Auf Reisen nach Deutschland lernte Lācis in den 1920er‑Jahren Theaterrevolutionäre wie Bertolt Brecht und Erwin Piscator sowie den Philosophen Walter Benjamin kennen. Auf Basis ihrer Berichte schrieb Benjamin 1929 das „Programm eines proletarischen Kindertheaters“, das Lācis‘ Modell in Deutschland weiter verbreitete. Durch das NS‑Regime in Deutschland und den stalinistischen Terror in der Sowjetunion geriet Lācis‘ Arbeit fast in Vergessenheit. Sie verbrachte zehn Jahre in einem Arbeitslager. Erst 1968, im Zuge der deutsch‑deutschen Friedens‑ und Kindertheaterbewegung, wurden ihre Methoden und Benjamins Programm wiederentdeckt und zu wichtigen Referenzpunkten für die Theaterpädagogik in Ost und West.

Foto: DATP

Teil der Ausstellung, die noch bis Ende Juni läuft, ist ein Ausschnitt aus einem Interview von Christel Hoffmann (u.a. Dramaturgin am Theater der Freundschaft in Ostberlin), die 1973 Gespräche mit Asja Lācis führte. Die Tonbänder dieser Gespräche hat Christel Hoffmann neben einer Vielzahl weiterer Materialien u.a. zu ihrer Theaterarbeit/ Darstellendem Spiel mit Kindern, Kinder- und Jugendtheater in der DDR und nach 1989, zur Theaterpädagogik sowie zum Proletarischen Kindertheater (1919-1930er Jahre) bereits vor einigen Jahren dem DATP übergeben (siehe Sammlung Christel Hoffmann).

Die Ausstellung ist noch bis 18. Juni 2026 geöffnet und bietet ein vielfältiges Rahmenprogramm.